Verteuerung von Rohstoffen setzt dem Mittelstand zu

Bäckerei- und Fleischverarbeitungsbetriebe klagen über höhere Preise für Mehl, Öle, Zucker und Schweinefleisch

 Handarbeit in der Stendaler Landbäckerei: David Eigenfeld, Paul Stolze und Kevin Siegel (v.l.) bereiten Brotteig vor.

Handarbeit in der Stendaler Landbäckerei: David Eigenfeld, Paul Stolze und Kevin Siegel (v.l.) bereiten Brotteig vor.

Mittelständische Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie klagen über massiv steigendende Nebenkosten bei den Rohstoffen. Mit 108000 Euro Mehrkosten allein für Mehl rechnet die Stendaler Landbäckerei im Jahr 2013 gegenüber 2012. Hinzu kommen 75000 Euro Mehrkosten für Öle, Fette und Zucker. Inhaber Andreas Bosse: "Was sich in den vergangenen beiden Jahren entwickelt hat, gab es so früher nicht."
Die Großbäckerei versorgt derzeit 130 Filialen in fünf Bundesländern. Der Betrieb mit 800 Mitarbeitern erwirtschaftete 2012 einen Jahresumsatz von 21 Millionen Euro. Die Rendite betrug nach Unternehmensangaben knapp zwei Prozent. Mehl ist der wichtigste Hauptrohstoff der Bäckerei. Einige Beispiele: Bei Brötchen beträgt der Anteil 60 Prozent, bei Mischbrot 47 Prozent und bei Sauerteig 54 Prozent.
Für die Verteuerung von Mehl macht Bosse verschiedene Umstände verantwortlich. "Nach der Immobilienkrise in den USA ist Weizen ein beliebtes Handelsgut an den Börsen geworden. Und im Anbau ist der Anteil von backfähigem Weizen zugunsten von energetisch verwertbarem Weizen zurückgegangen. Backweizen muss von Mühlen teuer hinzugekauft werden."

Neben der Mehlpreisentwicklung kommt seit Jahresbeginn die Verteuerung von Strom von zwölf Prozent (EEG-Umlage) hinzu. "Eine Befreiung von der EEG-Umlage, wie sie Großbetriebe erhalten, ist für mittelständische Betriebe kaum möglich", erzählt An-dreas Bosse. Sein Betrieb komme zum Beispiel nicht infrage, weil er mit 130 Filialen auch 130 Betriebsstätten habe, die alle einzeln bewertet werden müssen. "Jede Filiale für sich verbraucht zu wenig Strom für eine Befreiung." Energie macht in dem Betrieb sechs Prozent der Gesamtkosten aus. Mit 105000 Euro Mehrkosten für Strom rechnet Bosse für 2013.

Auch die Altmärker Fleisch- und Wurstwaren GmbH aus Stendal - 35 Millionen Jahresumsatz 2012, 70 Filialen, 460 Mitarbeiter - wurde nicht von der EEG-Umlage befreit. "Wir konnten die Verteuerung teilweise durch den Bau eines Blockheizkraftwerkes abfangen, womit wir Wärme und Strom erzeugen", erzählt Inhaber Jörg Viehmann. 550000 Euro hat 2011 der Bau der Anlage gekostet, mit der im Fleischverarbeitungsbetrieb nun etwa 60 Prozent der Energiekosten eingespart werden.
Aber auch dieser Betrieb hat ein Rohstoff-Problem. Der Export von Schweinen nach Russland und China habe die Rohfleischpreise von 2011 auf 2012 um 30 Prozent verteuert. Bei Schweinefett stieg der Preis sogar um 200 Prozent. "2013 werden sich die Fleischpreise wohl gut behaupten", hofft Jörg Viehmann.

*aus der Volksstimme vom 12. Januar 2013

Posted on January 12, 2013 .